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12.08.2009

Beratungsbedarf gestiegen

Erziehungsberatung1Steinfurt. Die Beratungsfälle in den Familien- und Erziehungsberatungsstellen haben lt. Pressemeldungen zugenommen. Neben vielen anderen Faktoren gehören auch Armut und Arbeitslosigkeit zu den Gründen, die zu Erziehungsproblemen führen können. Bei der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Diakonischen Werkes des Ev. Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken e.V., kann man diese Zunahme bestätigen.

Anlass genug für Ingrid Arndt-Brauer (SPD MdB), Landratskandidatin Elisabeth Veldhues (SPD, MDB) und Frank Müller (SPD Burgsteinfurt) sich bei dem Leiter der Beratungsstelle, Diplom-Psychologen Johannes Brink (i. Bild li.), näher zu informieren.

Seit Gründung der Beratungsstelle im Jahr 1974 sind die Beratungszahlen ständig gestiegen. Zurzeit  werden ca. 1.000 Fälle betreut. Die Spanne reicht von Kurzkontakten bis zu längerfristigen Beratungsprozessen. Die Klienten kommen aus allen Schichten der Bevölkerung. Familien mit Migrationshintergrund stellen nach wie vor besondere Herausforderungen an die Beratungsstellen.

Bei vielen Eltern herrsche große Unsicherheit in der Erziehung trotz vielfältiger Informationsmöglichkeiten durch pädagogische Fachliteratur oder auch das Internet. `Das ist aber nicht immer hilfreich´, glaubt Brink, `auf ihre Intuition verlassen sich viele Eltern immer weniger´.

Familien können sich mit vielfältigen Problemen von den MitarbeiterInnen der Beratungsstelle beraten lassen. In der Beratung reicht die Palette von Erziehungsfragen über Verhaltensauffälligkeiten, Lern- und Leistungsstörungen, Wahrnehmungsstörungen, Problemen zwischen Eltern und Kindern, Spannungen in der Partnerschaft, Gewalt in der Familie, sexuellem Missbrauch u.a.

Durch Präventionsangebote und frühzeitige Interventionen in Gruppen für Kinder und deren Eltern, in Kindergärten und Schulen und auch Selbsthilfegruppen will man dem steigenden Trend der Beratungsfälle entgegenwirken.

Einen ganz frühen Ansatz gibt es in der Entwicklungspsychologischen Beratung (EPB) für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern bis 3 Jahren. Schrei-, Ess und Schlafstörungen, gerade im ersten Lebensjahr, sind eine große Belastung für Eltern. Die sogenannte `Trotzphase´ im zweiten und dritten Lebensjahr quält Eltern dann mit Selbstzweifeln. Eigentlich wollen sie sich doch nur über ihren Nachwuchs freuen und das Elternglück genießen. Hier können betroffene Eltern auf Hilfe in der Beratungsstelle hoffen.

Johannes Brink sieht einen großen Vorteil im frühen Ansatz der Prävention, die seiner Meinung nach manchmal schon mit der Schwangerenberatung ansetzen muss. Arndt-Brauer und Veldhues sind sich mit ihm einig, dass aber noch ein flächendeckendes Netz der frühen Prävention ausgebaut werden muss.

Elisabeth Veldhues verwies darauf, dass die SPD im Kreis lange dafür gestritten hat, Präventionsmaßnahmen anzubieten. `Ein Jahr hat es gedauert, bis man das Projekt der Familienhebammen eingeführt hat´, verdeutlichte die Sozialpolitikerin. Ziele dieses Projektes sind die Förderung der körperlichen und seelischen Gesundheit, Stärkung der Beziehung zwischen Eltern und Kind, Sicherheit im Erkennen elterlicher Signale des Säuglings und alles, was dazu beiträgt, dass sich Kinder gesund und beschützt entwickeln. Gleichzeitig kann dieses Projekt dazu beitragen, Anzeichen von Kindeswohlgefährdungen rechtzeitig zu erkennen.

Auf großes Interesse stieß das Projekt `Familienpaten´. Frauen und Männer mit Erfahrung und Kompetenz können sich ehrenamtlich in Familien engagieren. Sie beschäftigen sich mit den Kindern, gehen spazieren, lernen mit ihnen, haben Zeit für neue Ideen und entlasten die Eltern, indem sie manchmal auf die Kinder aufpassen. `Eine schöne Aufgabe für Menschen, sie sich sozial engagieren wollen´, lobte Arndt-Brauer abschließend die Idee.