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16.09.2009

Berufseinstiegbegleitung auch an Förderschulen

Tuba1
Steinfurt. Immer noch verlassen über 70.000 junge Menschen im Jahr die allgemein bildenden Schulen ohne einen Schulabschluss. Über 20 Prozent der Auszubildenden brechen ihre Ausbildung ab. Formelle Qualifikationen wie Schul- und Berufsabschluss gewinnen zugleich aber zunehmend an Bedeutung. Mit der Berufseinstiegsbegleitung, einem neuen Modell der Agenturen für Arbeit, wurde ein Konzept für eine professionelle Berufseinstiegsbegleitung auf den Weg gebracht.

Zu den bundesweit 1.000 modellhaft ausgewählten Schulen zählt auch die Erich Kästner-Schule, Förderschule für Lernen, Sprache, Emotionale und soziale Entwicklung des Schulverbandes in Steinfurt - Borghorst.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Ingrid Arndt-Brauer informierte sich jetzt bei einem persönlichen Gespräch mit der Schulleitung, ausführenden Lehrern, den Berufseinstiegesbegleitern von `Lernen fördern´ sowie Schülerinnen und Schülern über das Modellprojekt.

Die Erich Kästner-Schule ist eine Förderschule, die Kinder und Jugendliche in den Klassen 1 bis 10 unterrichtet. Dass eine Förderschule für dieses Modellprojekt ausgewählt wurde, ist nicht der Regelfall. `Aber gerade an unserer Schule ist die Vorbereitung auf den Beruf besonders wichtig´, machte Schulleiterin Claudia Bock deutlich.

Seit Februar 2009 sind die Berufseinstiegsbegleiter Ulla Schüler und Andreas Schlieker von `Lernen fördern´ an der Förderschule tätig. Sie arbeiten inzwischen mit 39 Schülerinnen und Schülern aus den Klassen 9 und 10. Die Schülerinnen und Schüler absolvieren im 9. und 10. Jahrgang jeweils dreiwöchige Praktika, um verschiedene Bereiche des Arbeitslebens zu erkunden. Zusätzlich ermuntert die Schule zu freiwilligen Praktika während der Ferien. In Ausnahmefällen ist es auch durchaus möglich, die Jugendlichen während der Schulzeit für ein Praktikum freizustellen. `Die Schüler sollen einen guten Kontakt zu den Unternehmen bekommen und auch halten´, so Ulla Schüler. In den Schulwerkstätten kann man sich außerdem in den Bereichen Textil, Hauswirtschaft, Holz- und Metallwerkstatt handwerklich vorbereiten.

Ulla Schüler und Andreas Schlieker organisieren auch Betriebsbesichtigungen, die bei den Jugendlichen sehr gut ankommen. Von jedem Besuch gibt es Fotos und firmentypische Mitbringsel, die im Berufsorientierungsbüro (BOB) der Schule ausgestellt sind. Im Mai haben die Schüler und Schülerinnen beispielsweise den Friseurbereich der Kreishandwerkerschaft in Rheine besucht. Vesar, Schüler aus der Klasse 10, hat hier einem Übungskopf einen modernen Haarschnitt verpasst. Das Ergebnis konnte Ingrid Arndt-Brauer im BOB begutachten. Im Gespräch mit den jungen Leuten wird der Politikerin deutlich, dass alle hoch motiviert sind. Darauf ist man an der Erich Kästner-Schule besonders stolz und man merkt den Pädagogen und Jugendlichen auch an, dass die Arbeit miteinander Spaß macht.

Weiterführend steht Bewerbungstraining auf dem Programm. Hierfür werden `echte´ Chefs eingeladen, um möglichst reelle Bewerbungsbedingungen zu schaffen.

Bedauerlich finden es alle Beteiligten, dass nur  39 Schülerinnen und Schüler an dem Projekt `Berufseinsteigbegleitung´ teilnehmen können. Es war nicht leicht, eine Auswahl zu treffen, hätte man doch gerne alle Schüler mit eingebunden. `Wir konnten den Jugendlichen, die nicht teilnehmen durften, auch nicht vermitteln, warum das so ist´, bedauert Sonderpädagoge Wolfgang Middendorf. Leider ist das Projekt auch nicht in jedem Fall fortführend nach dem Schulabschluss. Die meisten Schüler der Erich Kästner-Schule absolvieren noch ein Berufsvorbereitungsjahr, da sie aufgrund ihres Förderbedarfs nicht ohne weiteres in den Ausbildungsmarkt vermittelt werden können. Arndt-Brauer versprach, diesen Einwurf bei Arbeitsminster Olaf Scholz (SPD) vorzubringen, damit die Lücke geschlossen werden kann.