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22.06.2009

Drogenberatung leidet unter Personalmangel

Drogenberatung Rheine 1Rheine. Seit 1972 gibt es die Jugend- und Drogenberatungsstelle der `Aktion Selbsthilfe´ in Rheine. Unter Leitung von Ulrich Kleinehollenhorst arbeitet hier ein professionelles Mitarbeiterteam mit Drogenabhängigen und -gefährdeten.

Der Schwerpunkt liegt bei den Konsumenten illegaler Drogen, Mehrfachabhängigkeit und Alkoholismus. Hier liegt die Altersspanne von ca. 14 bis 50 Jahren.

Nähere Informationen holten sich jetzt Ingrid Arndt-Brauer (SPD-MdB), ihre Landtagskollegin Elisabeth Veldhues und örtliche SPD-Fachpolitker in der Beratungsstelle.

Kleinehollenhorst erläuterte die einzelnen Projekte. Er wies darauf hin, dass Kürzungen und die Verlagerung der Landesmittelmittel in die Zuständigkeit der örtlichen Ebenen, die sogenannte Kommunalisierung, sich nachteilig auswirken. So hat der Kreis Steinfurt die bisherige Finanzierung von zwei Fachkräften für die Präventionsarbeit nunmehr aufgeteilt, sodass für die Drogenberatungsstelle in Rheine nur noch eine 0,4-Stelle verblieben ist. Eine Fachkraft musste bereits entlassen werden. Von den Gesprächsteilnehmern wurde kritisch hinterfragt, wie man mit einer derart geringen Personalausstattung eine effektive Präventionsarbeit leisten kann und auf neue Herausforderungen den Zugang zu dem sich verändernden Klientel gestalten soll.

Ein weiteres Thema der Gesprächsrunde war das erst im Mai verabschiedete Gesetz zur diamorphingestützten Substitutionsbehandlung. Ingrid Arndt-Brauer (SPD-MdB) zeigte sich erfreut, dass in einer namentlichen Abstimmung der Bundestag mit den Stimmen der SPD-Bundestagsfraktion und vielen Mitglieder der Oppositionsparteien den Gruppenantrag verabschieden konnten - auch gegen die Mehrheit des Koalitionspartners.

Mit dem Gesetz wird Diamorphin (künstliches Heroin) als verschreibungspflichtiges Betäubungsmittel eingestuft. Das Arzneimittel soll zum Einsatz kommen bei langjährig Heroinabhängigen, denen mit den bisher angebotenen Therapien nicht geholfen werden konnte. Modellprojekte in ausgesuchten Großstädten wurden mit einer wissenschaftlichen Studie begleitet. Die Studie stellte abschließend fest, dass es Personen gibt, die nur mit Diamorphin gesundheitlich und sozial stabilisiert werden können. Geschätzt gibt es bundesweit nur einen begrenzten Kreis von ca. 1000 bis 3000 Personen, die für diese Therapie mit kontrollierter Abgabe in Frage kommen könnten. `Geregelt ist allerdings noch nicht, wo die Abgabe erfolgen soll´, erläutere Arndt-Brauer.
Ulrich Kleinhollenhorst begrüßte die Entscheidung für die Behandlung und befürwortete eine Abgabe über die Drogenberatungsstelle, da man hier einen niedrigschwelligeren Zugang zu dem entsprechenden Klientel hätte. Hierfür müsste ein entsprechend qualifizierter Arzt eingestellt werden. Kleinehollenhorst erklärte den Besuchern, dass Diamorphin für den menschlichen Organismus besser abbaubar sei als Methadon. Er gebe der Behandlung mit Diamorphin bessere Chancen für den Ausstieg.