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09.02.2009
Gewalt auch auf dem Land
Ahaus. Sie sitzen zwar noch nicht auf gepackten Umzugskartons, aber die Freude über den Umzug in ihre neuen Räumlichkeiten ist den Mitarbeiterinnen der Frauenberatungsstelle “frauen für frauen e.V.” anzusehen. Demnächst kann man die Beratungsstelle an der Marktstraße in Ahaus unter dem Dach des Paritätischen Wahlfahrtverbandes (DPWV) finden. SPD-Frauen, wie die Bundestagsabgeordnete Ingrid Arndt-Brauer, ihre Landtagskollegin Stefanie Wiegand sowie Politikerinnen aus Kreis und Kommune fanden sich aus diesem Anlass zu einer Gesprächsrunde in der Beratungsstelle an der Marienstraße ein.
“frauen für frauen” beraten Frauen und Mädchen ab 16, die sich in einer Krise befinden, Gewalt oder sexuelle Gewalt erfahren haben. Aber auch Konflikte mit Lebensgefährten oder Familie, Trennung/Scheidung, Essstörungen, Depressionen u.ä. sind Gründe, um sich von den Mitarbeiterinnen beraten zu lassen.
“Unser Schwerpunkt liegt aber in der Unterstützung bei Gewalterfahrungen jeglicher Art”, erläuterte Mitarbeiterin Agnes Denkler und machte deutlich, dass die Beratung immer kostenlos ist.
Auch auf dem Land ist nicht immer “heile Welt”. Die Klientel des Vereins kommt aus dem gesamten Kreis Borken und vereinzelt aus dem angrenzenden Kreis Steinfurt.
Untersuchungen haben ergeben, dass jede vierte Frau bereits Gewalt in Beziehungen erfahren hat. “Und die Zahlen steigen“, machte die Beraterin Ria Mester deutlich. Seit Einführung des Gewaltschutzgesetzes, das 2002 in Kraft getreten ist, hat sich gerade bei häuslicher Gewalt einiges verbessert. Die betroffenen Frauen fühlen sich gestärkt, da der Partner durch das Eingreifen der Polizei für zehn Tage der Wohnung verwiesen werden kann. Die Frauen haben dann die Möglichkeit, auch mit Unterstützung von „frauen für frauen“, ihre Zukunft zu regeln. Da aber die Frauen durch eine Trennung häufig mit vielfältigen Problemen konfrontiert werden, bleiben sie oft lange in der Gewaltbeziehung.
333 Polizeieinsätze gab es im Jahr 2008 zu häuslicher Gewalt im Kreis Borken. “Das ist täglich ein Einsatz, wobei die Dunkelziffer höher ist“, verdeutlichte Agnes Denkler dazu.
Die speziell ausgebildeten Fachkräfte der trägerunabhängigen Beratungsstelle arbeiten mit den traumatisierten Frauen, um diese zu stabilisieren und Perspektiven aufzuzeigen.
Die SPD-Politikerinnen wünschten den Mitarbeiterinnen von „frauen für frauen“ weiterhin viel Erfolg für ihre Arbeit und versprachen, sie in den neuen Räumen zu besuchen. |