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31.07.2012
Haben Schornsteinfeger auch Glück?
Rheine/Kreis Steinfurt. Nach Willen der EU kann man sich ab 2013 seinen Schornsteinfeger selbst aussuchen. Hintergrund ist eine EU-Richtlinie, die das Schornsteinfegergesetz ab dem 28.11.2008 geändert hat. Was das für die Kunden und die Bezirksschornsteinfeger bedeutet, wollten jetzt die SPD-Bundestagsabgeordnete Ingrid Arndt-Brauer und das Rheinenser Ratsmitglied Ekchard Roloff (i. Bild li.) direkt beim Fachmann erfahren.
Die beiden Bezirkschornsteinfegermeister Burkhard Bülter (2. v. li.) aus Rheine und Dietmar Flüthmann (2. v. re.) aus Neuenkirchen schilderten in dem Gespräch den Politikern ihre Bedenken.
Die Umsetzung der EU-Richtlinie ab 1. Januar 2013 bedeutet dann freien Wettbewerb für die Schornsteinfegerbranche. `Wir behalten zwar die Aufsicht über die Kehrbezirke, aber kehren dürfen auch andere´, erläuterte Bülter. Als Bezirksbevollmächtige sind Bülter und Flüthmann zwar noch für die Kontrolle der Brandsicherheit zuständig, für Mess- und Reinigungsarbeiten kann der Kunde jedoch beauftragen, wen er will.
Nachteil für die Schornsteinfegermeister: Der Bürokratieaufwand nimmt enorm zu. Zudem befürchtet Flüthmann schlechte Arbeit durch Billiganbieter. `Das kann für den Kunden, wenn er Pech hat, erheblich teurer werden´, so Flüthmann. Außerdem muss sich künftig der Kunde selbst um die fristgerechte Erledigung der vorgeschriebenen Kehrarbeiten und Kontrollen kümmern. Der Kunde kann aber auch dem zuständigen Bezirksbevollmächtigen einen Auftrag erteilen und muss sich somit nicht mehr um die vorgeschriebenen Arbeiten kümmern. Der Schornsteinfeger kehrt und misst und der Bezirksschornsteinfegermeister prüft. `Damit entstehen zweifache Kosten für den Kunden´, so Flüthmann. Er macht deutlich, dass es mit der EU-Richtlinie nicht billiger wird.
Unverständlich ist das Ganze auch für Arndt-Brauer und Roloff, sei es doch nicht zwingend erforderlich, einer EU-Richtlinie bedingungslos zu folgen, da diese den deutschen Erfordernissen angepasst werden kann.
Erschwerend käme hinzu, so Bülter und Flüthmann, dass man mit diesen Unwägbarkeiten noch weniger Nachwuchs gewinnen könne. Schon jetzt könne man kaum junge Leute finden, die sich zum Schornsteinfeger ausbilden lassen. Dabei sei der Beruf des Schornsteinfegers sehr abwechslungsreich und durch den Kontakt mit vielen Kunden sehr interessant. Komplizierte Messtechnik und qualifizierte Beratung der Kunden sind nur durch eine hochwertige Ausbildung zu leisten. Zudem ist das Klischee des `schwarzen Mannes´ mit Ruß im Gesicht längst veraltet.
`Allerdings bringt der Schornsteinfeger immer noch Glück´, stellten Bülter und Flüthmann abschließend fest. |