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29.04.2009

Kluge Fragen und keine Floskeln

Jugendpressetage2aOchtrup/Kreis Steinfurt/Berlin. Vom 22. bis 24. April 2009 durfte ich (Fabian Anicker, i. Bild li.) auf Einladung von Ingrid Arndt-Brauer an den Jugendpressetagen in Berlin teilnehmen. Zusammen mit Schülerzeitungsredakteuren und einigen Journalismus-Studenten lernte ich SPD-Größen wie Peter Struck und Peer Steinbrück kennen und erhielt Einblicke in die Kampagnenplanung der SPD-Parteizentrale, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die JuSo-Organisation.

In einer Diskussionsrunde mit verschiedenen SPD-Abgeordneten hatten wir Gelegenheit, kritische Fragen zu Themen wie dem Konjunkturpaket, Umweltschutz oder dem staatlichen Umgang mit religiösen Sekten zu debattieren - und nebenbei die beeindruckenden Gebäude des Bundestages und der SPD-Zentrale besichtigen. Untergebracht waren wir sehr nah am Stadtzentrum, so dass wir auch Gelegenheiten hatten, das Berliner Nachtleben zu erkunden.

Besonders spannend für mich war unser Interview mit Peer Steinbrück. Der Mann, den man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, stellte sich völlig offen unseren Fragen und verkörperte eine Art Gegenentwurf zum Medienklischee des Selbstdarstellungspolitikers. Seine Antworten waren präzise, schnörkellos und man hatte das Gefühl `auf Augenhöhe´ zu diskutieren. `Sie haben ja gerade gesagt, dass Sie mit dem Konjunkturpaket kein Geld verbrennen möchten, z.B. durch Konsumgutscheine. Aber ist die Abwrackprämie nicht dasselbe, wenn Autos im Wert von 4000 Euro verschrottet werden?´, fragte eine Schülerzeitungsredakteurin. Anstatt ausweichend oder mit Allgemeinplätzen zu antworten dachte Steinbrück etwa 10 Sekunden über seine Antwort nach, lächelte und sagte: `Verdammt kluge Frage.´, bevor er eine souveräne Begründung über den Sinn der Abwrackprämie abgab.

Diese Szene ist ein Beispiel für die gesamte Gesprächsatmosphäre während der Jugendmedientage. Wir wurden nicht, wie ich im Vorfeld insgeheim befürchtet hatte, mit Floskeln abgespeist, sondern als Diskussionspartner ernst genommen. Ich habe aus diesen sehr anregenden Gesprächen viel für mich persönlich gewonnen - nicht zuletzt die Einsicht, dass unsere Jugend wohl doch nicht so desinteressiert an Politik ist, wie manche Medien behaupten. Insgesamt eine spannende und sehr intensive Erfahrung und an dieser Stelle noch einmal ein dickes Dankeschön an Ingrid Arndt-Brauer für die Einladung.