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11.11.2010
Pflege-TÜV in der Kritik
Rheine. Die Pflegeheime und ambulanten Pflegedienste werden seit vergangenem Juli nach neuen Vorgaben geprüft. Dabei werden Noten ähnlich den Schulnoten vergeben, die für jeden Verbraucher sichtbar im Internet veröffentlicht werden. Die Pflegequalität der ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen soll damit transparenter werden und es Betroffenen einfacher machen, eine geeignete Pflegeeinrichtung auszuwählen. Grundlegende Nachbesserungen bei der Pflegetransparenz-Vereinbarung (PTV), kurz Pflege-TÜV genannt, fordert der Caritasverband für die Diözese Münster.
Um sich persönlich ein Bild zu machen, traf sich jetzt die heimische Bundestagsabgeordnete Ingrid Arndt-Brauer (SPD) mit Vertretern der Caritas in der Sozialstation, dem ambulanten Pflegedienst der Caritas in Rheine.
Zuständig für die Überprüfung der Pflegeeinrichtungen ist der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK). Unangemeldet, fast überfallartig seien die Gutachter in die Sozialstation gekommen, um die Prüfung vorzunehmen, kritisiert Karin Schulte (2. v. li.), Leiterin der Sozialstation das Vorgehen. Mit viel Aufwand und enormen Irritationen bei Pflegebedürftigen und Mitarbeitern habe man den Tagesablauf der ambulanten Pflege an zwei Tagen umstrukturieren müssen, um die Prüfung durchführen zu lassen. `Eine zeitnahe Anmeldung wäre hilfreich gewesen, um sich personal- und arbeitsmäßig vorzubereiten´, so Schulte weiter.
Im Anschluss an die örtliche Prüfung sei anhand eines Kataloges von 37 Kriterien die Qualität des Pflegedienstes sowie mit weiteren zwölf Kriterien die Zufriedenheit der Kunden bewertet worden
Schwer in der Kritik stehen allerdings das Zustandekommen und die Aussagekraft der Benotung. So besteht beispielsweise die Möglichkeit, eine schlechte Note aus einem pflegerisch bedeutsamen Bereich mit einer guten Benotung aus einem anderen zu verrechnen. Die möglicherweise daraus resultierende Gesamtnote gibt dem Verbraucher keinerlei zuverlässige Informationen über die tatsächliche Qualität der Pflege am Menschen.
`Die Benotung und die Aufmachung im Internet erwecken den Eindruck, dass die praktische Pflege bewertet wurde. Dies ist aber bei Weitem nicht der Fall´, kritisiert Klaus Jäger (im Bild re.), zuständig für die Abteilung Gesundheits- und Altenhilfe der Caritas Rheine in dem Gespräch die Schwäche des Pflege-TÜV. Zu mehr Transparenz, verbessertem Verbraucherschutz oder gar besserer Pflegequalität führt dieses Vorgehen seiner Meinung nach nicht.
In der Folge würde das ungerechtfertigte Negativ-Image von Pflege dazu führen, dass sich der derzeit bestehende Fachkräftemangel weiter verstärkt. Junge Menschen seien schon jetzt kaum noch für die Pflegeberufe zu gewinnen, sind sich die Gesprächsteilnehmer einig.
`Da ist der Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel, verstärkt Hartz-IV-Empfänger als Pflegekräfte einzusetzen, nicht hilfreich´, so Arndt-Brauer. Menschen könnten nicht zur Pflege ihrer Mitmenschen gezwungen werden.
Grundsätzlich begrüßt die Politikerin die Überprüfung von Pflegeeinrichtungen, wünscht sich aber ein valideres Testverfahren und versprach den Caritas-Vertretern ihre Kollegen in der Bundestagsfraktion, die im Gesundheitsausschuss für den Bereich Pflege zuständig sind, über diese Problematik zu informieren und weiterhin mit der Caritas in Kontakt zu bleiben. |