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16.12.2010
Wasser- und Schifffahrtsamt Rheine vor dem Aus?
Rheine. Bereits durch die Auflösung des Bundeswehr-Fliegerhorstes Rheine/Hopsten war Rheine arbeitsmarktpolitisch stark betroffen. Derzeit herrscht zudem Unsicherheit, ob das Heeresfliegerregiment in Rheine-Bentlage erhalten bleibt. Eine weitere Hiobsbotschaft für Rheine könnte nun folgen.
CDU und FDP werden im Januar des neuen Jahres dem Haushaltausschuss des Bundestages Eckpunkte für eine Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung vorlegen, von der auch das Wasser- und Schifffahrtsamt Rheine (WSA) betroffen sein könnte. Bundesverkehrsminister Ramsauer (CDU) lässt derzeit u.a. die Schaffung eines Zentralamtes für die Schifffahrt prüfen. Einhergehend mit den Strukturveränderungen droht zudem weiterer Personalabbau im großen Stil.
Die münsterländische Bundestagsabgeordnete Ingrid Arndt-Brauer (SPD) und das Rheiner SPD-Ratsmitglied Eckhard Roloff (2. v. li.) trafen sich jetzt mit Vertretern des örtlichen Personalrates und ver.di Vertrauensleuten im WSA Rheine an der Münsterstraße, um die Problematik zu erörtern. Die Politikerin kritisierte in dem Gespräch das mangelnde Verständnis der Bundesregierung für die Arbeit des WSA. „Mir ist es wichtig, dass die Strukturen vor Ort erhalten bleiben“, so Arndt-Brauer in dem Gespräch. Sie ist sich mit den Personalräten einig, dass die wichtigen Aufgaben des WSA in Rheine in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen und gewürdigt werden. Das WSA ist u.a zuständig für Unterhalt, Ausbau, Neubau, Ordnung und Sicherheit des Schiffsverkehrs, Betrieb von Schleusen, Wehren und Pumpwerken, Wasserstandsdienste sowie die Hochwasser- und Eisbekämpfung. Der Datteln-Hamm-Kanal (47 km), der Dortmund-Ems-Kanal im Kernbereich mit 128 km von Datteln bis Gleesen bei Lingen und rund 40 km der Ems von Rheine bis Gleesen gehören zum Zuständigkeitsbereich des WSA Rheine. Insbesondere geht es um die Sicherheit der zahlreichen Bauwerke und Anlagen - viele Schleusen sind schon bis zu 100 Jahre alt. Zu den Aufgaben des WSA Rheine gehört auch, für die Ems den ordnungsgemäßen Hochwasserabfluss und den Erhalt der Schiffbarkeit für die Fahrgast- und Freizeitschifffahrt sicherzustellen. Gerade im vergangenen Winter war es besonders wichtig, das Eis auf den Kanälen zu brechen. `So wie es aussieht, wird das in diesem Winter wieder erforderlich´, so Martin Ostendorf. Als Besonderheit verfügt das WSA Rheine über einen Taucherlehrbetrieb in Bergeshövede, der die bundesweite Aus- und Fortbildung von Berufstauchern betreibt. Seit den Siebziger Jahren sind die Beschäftigten gebeutelt von ständigen Reformen und Bündelungen. Dabei wurde die Anzahl der Dienststellen halbiert. Allein von 1998 bis heute wurde das Personal um 17 % abgebaut. `Mit dem Ergebnis, dass es heute kaum noch den klassischen Wasserbau-Arbeiter beim WSA gibt´, machte Jung deutlich. Von der Politik so gewollt, würden Arbeiten an die freie Wirtschaft vergeben. `Und das ohne die geringste Einsparungen. Im Gegenteil, die Vergaben verteuern das Ganze und die Beschäftigten müssen den Firmen noch oftmals hinterher arbeiten´, so Jung weiter. Für viele Aufgaben würden außerdem Spezialisten mit dem nötigen Knowhow gebraucht, dass in der freien Wirtschaft nicht vorhanden sei. Dieses Spezialwissen können nur die Beschäftigten des WSA bieten.
Arndt-Brauer hat mittlerweile mit ihrem Fraktionskollegen Johannes Kahrs Kontakt aufgenommen, der dem Haushaltsausschuss angehört, um auf das Problem aufmerksam zu machen und eine mögliche Zerschlagung oder sogar eine Auflösung des WSA zu verhindern. Abschließend dankten die Personalräte der Politikerin für ihren `lautstarken Einsatz´. Die Gesprächsrunde verkündete unisono, dass die wichtige Aufgabenstellung des WSA uneingeschränkt erhalten bleiben müsse, damit die Sicherheit auf den Gewässern und Wasserstraßen weiterhin höchste Priorität erhalte. Dies könne nur ein gut funktionierendes WSA vor Ort garantieren. |